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Die Wanderung

Wandertagebuch

Wir wollen von unserer Wanderung berichten und freuen uns über Kommentare von euch

ES IST VOLLBRACHT

2019 von Hamburg nach Konstanz Posted on 14.09.2019 20:40
Heidelberg -> Konstanz
Gesamtstrecke

Ein ganz, ganz großes Dankeschön für das rege Interesse an unserer Wanderung. Wir haben uns außerordentlich über unterstützende, fragende und ergänzende Kommentare zu den insgesamt 37 Blogeinträgen gefreut und diese immer wieder sehr gerne gelesen. Das gleiche gilt für den Zuspruch und den Austausch via E-Mail, SMS und WhatsApp. DANKE, DANKE, DANKE

Und hier ein schnell skizzierter Überblick zu unserer Wanderung:

  • Drei Monate Wanderschaft von Hamburg nach Konstanz Ca. 1.500 km gesamt (davon ca. 80 mit Bus, Bahn oder Fähre)
  • Auf der gesamten Wanderstrecke je rund 36.000 m Aufstieg und Abstieg bewältigt (!)
  • Je ein 1 Paar Absätze abgelaufen
  • 75 Tagesetappen zwischen 15 und 32 km
  • 92 Nächte in 75 verschiedenen Betten
  • 17 Tage Pause zum relaxen erkunden und genießen
  • Tagestemperaturen zwischen 11 und 38 Grad
  • Erstaunlich viele Wandernde und Wanderinteressierte (besonders im Schwarzwald) und reges Interesse gewürzt mit aufmunterndem zuweilen auch bewunderndem Zuspruch für unsere Deutschland Durchquerung
  • Unglaublich viele freundliche und zuvorkommende Wirtsleute angetroffen vor allem in den Landgasthöfen
  • Wunderbare und wunderliche regionale Gerichte kennengelernt, probiert und genossen. Z. B.: Schnucken-Grützwurst und Buchweizentorte (Nordheide); Potthucke und Pillekuchen (Sauerland); Handkäs mit Musik, Grüne Soße und Äbbelwoi (Südhessen); Kässpätzle, Maultaschen und Schwarzwälder Kirschtorte (Scwarzwald); Suser (Bodensee). Und immer wieder Schnitzel – in allen Varianten.
  • Zahlreiche schwarze und rote Eichörnchen kreuzten unseren Weg, außerdem viele Rehe, noch mehr Greifvögel, ein Fuchs, ein Adler, sieben Feuersalamander, kein Wildschwein (aber dafür unzählige Spuren)
  • Die Kastanienmoniermotte treibt ihr Unwesen in ganz Deutschland, nur auf dem Deister, in Bad Berleburg, und in wenigen Ecken des Schwarzwaldes gesunde Kastanien angetroffen
  • Als wir am 16. Juni gestartet sind, hatte die Kirschernte gerade begonnen. Das Getreide stand noch grün auf dem Halm
  • Jetzt sind die Pflaumen reif. Das Getreide ist abgeerntet, die Wintergerste bereits ausgesät und die Kartoffelernte beginnt
  • Eifrige Diskussionen in allen Parteien über den Klimaschutz – unter dem Eindruck von Trockenheit, Borkenkäfer, Brand des Amazonas Regenwaldes, Fridays for future, … – Ein schlüssiges Klimaschutzkonzept steht aus
  • Italien hat eine neue Regierung, Groß Britannien einen neuen Regierungschef, die EU eine neue Kommissions-Präsidentin, die SPD sucht noch eine neue Parteiführung

In den drei Monaten waren wir Tag und Nacht zusammen, ein gutes Team! Entgegen kam uns neben der Aufgabenteilung und dem Bemühen um Achtsamkeit die Naturverbundenheit. Georg ist im Rheinland aufgewachsen und hat bei den Landwirten im Dorf gejobbt. Pashya/Gerti ist ein echtes Landei, sie kommt von einem kleinen Bauernhof in Hessen. Trotzdem freuen wir uns beide, in Hamburg auch wieder getrennten Interessen nachzugehen. Gleich am Montag geht’s los. Georg wendet sich der Chorprobe zu und Pashya/Gerti der Yoga-matte.

Ob es im nächsten Jahr weiter Richtung Süden geht? Das wissen wir jetzt noch nicht. Wir werden sehen.



12. – 15.09.

2019 von Hamburg nach Konstanz Posted on 14.09.2019 18:02

Für unser TSCHAKKA – ES IST VOLLBRACHT – Foto wählen wir das Wahrzeichen von Konstanz, die Statue der Imperia im Hafen. Die Verkörperung der Kurtisane Imperia erinnert satirisch an das Konzil von Konstanz zu Beginn des 15.Jahrhunderts.
Auf ihren erhobenen Händen trägt sie zwei zwergenhafte nackte Männlein. Der Mann in ihrer rechten Hand trägt auf seinem Haupt die Krone eines Königs und hält einen Reichsapfel in der Hand;

Für unser TSCHAKKA – ES IST VOLLBRACHT – Foto wählen wir das Wahrzeichen von Konstanz, die Statue der Imperia im Hafen. Die Verkörperung der Kurtisane Imperia erinnert satirisch an das Konzil von Konstanz zu Beginn des 15.Jahrhunderts.
Auf ihren erhobenen Händen trägt sie zwei zwergenhafte nackte Männlein. Der Mann in ihrer rechten Hand trägt auf seinem Haupt die Krone eines Königs und hält einen Reichsapfel in der Hand;

die Figur in ihrer Linken trägt eine päpstlich Tiara und sitzt mit übereinander geschlagenen Beinen. Es ist nicht eindeutig, ob die Figuren Porträts von den Machthabern zur Zeit des Konstanzer Konzils, Kaiser Sigismund und Papst Martin V darstellen, oder ob sie allgemein als Personifikation die weltliche und die geistliche Macht darstellen. Der Künstler Peter Lenk sieht nackte Gaukler, die sich die Insignien der Macht widerrechtlich aufgesetzt haben. Die Aufstellung der Skulptur (1993) stieß bei konservativen Ratsmitgliedern und der katholischen Kirche auf Widerstand, letztendlich setzte sich die Macht des Faktischen durch.

Das Konzil fand in dem bis heute erhaltenen, größten mittelalterlichen Profanbau Süddeutschlands statt.

Ziel des Konzils von 1414 – 1418 war es, die christliche Kirche wieder zu vereinigen, nachdem sich neben dem römisch katholischen Papst in Rom ein Gegenpapst in Avignon etabliert hatte. Für die Zusammenführung war die Abdankung beider Päpste erforderlich, was nach vielem Hin und Her gelang. Mit Martin V wurde ein Kompromiss-Pabst gewählt.

Während des vier Jahre währenden Konzils lebten neben den ca. 7.000 Konstanzer Bürgerinnen und Bürgern ungefähr 30.000 Kleriker und Adelige samt Hofstaat in der Stadt. Dazu sollen auch rund 700 Kurtisanen gehört haben, einige davon mit großem Einfluss auf kirchliche wie weltliche Entscheidungsträger. Welche Ironie des Schicksals: Das ehemals stark katholisch geprägte Konstanz verfügt mit der acht Meter hohen Imperia heute wahrscheinlich über das weltweit größte Denkmal einer Prostituierten.

‚Tag eins‘ ist bei freundlichen 23 Grad einem Spaziergang (ohne Gepäck)
nach Konstanz gewidmet. Endlich nehmen wir Tuchfühlung mit dem Bodensee
auf. Freuen uns an der Weitsicht, dem Treiben im Jachthafen, den
gepflegten Grünanlagen und der lebendigen Stadt.

‚Tag zwei‘ steht ganz im Zeichen von Hermann Hesse. Er lebte zwischen
1902 und 1912 in Gaienhofen am Bodensee. Unsere Anreise mit dem Schiff ist phantastisch: Klare, spiegelglatte Wasseroberfläche,
Wasservogelschutzgebiete im Wechsel mit neuen Wohnquartieren, alten Herrenhäusern, gepflegten schweizerischen Dörfern und fruchtbaren Obst- und Weinanbaugebieten.

Als erstes lenken wir unsere Schritte zum ‚Mia und Herrmann Hesse Haus und Garten‘, in dem die Familie mit den drei Söhnen von 1907 – 1912 lebte. Heute ist das Areal in Privatbesitz, eigentlich ist geschlossen. Wir haben Glück, der freundliche Eigentümer öffnet uns seine Pforte, so dass wir in dem von Hermann Hesse angelegten, zwischenzeitlich überformten und liebevoll unter wissenschaftlicher Begleitung rekonstruierten Garten lustwandeln und picknicken können.

Danach besuchen wir das Hermann Hesse Museum.
Es ist in jenem Bauernhaus untergebracht, in dem Hesse mit Frau und erstem Sohn bis zur Fertigstellung des o.g. eigenen Hauses zwischen 1902 und 1907 zur Miete wohnte. Pashya/Gerti, in ihrer Jugend ‚glühende‘ Hesse Verehrerin, lernt viele neue Facetten des unsteten, egozentrischen (Macho) Menschen Hesse kennen, die nur schwerlich mit dem schöngeistigen Sinnsucher in Einklang zu bringen sind.

‚Tag drei‘ hat den Bodensee Klassiker, die Insel Mainau als Ausflugsziel. Gleich vorweg, wir waren auf der Blumeninsel nicht allein, haben aber möglicherweise den Altersdurchschnitt nach unten gesenkt. Die zahlreichen Souvenier Shops und Cafés lassen an Bundesgartenschauen denken. Jedes Jahr 365 Tage lang. Damit sich die Unternehmung trägt, müssen jährlich mindestens 1,2 – 1,4 Mio Touristen die Insel besuchen. Besucherrückgänge der letzten Jahre sollen mit Tagungen und Banketten kompensiert werden.

Wir schlendern durch das Areal, halten inne am Schloss sowie der Barock Kirche und werfen einen Blick ins Palmenhaus, das inzwischen zum Event Ort umfunktioniert worden ist. Rhododendren, Rosen sind um diese Jahreszeit bereits verblüht. Dafür entfalten 250 verschiedene Dahliensorten einen Farbenrausch. Das Aboretum überrascht mit alten exotischen Gehölzen darunter mehrere über 100-jährige Mammutbäume.

Die wechselvolle Geschichte des Eilandes mit dem mediterranen Klima aufzufächern würde zu weit gehen. Über Schenkungen, Verkäufe und insbesondere Heiraten zwischen verschiedenen österreichischen, ungarischen und schwedischen Königs- sowie diversen herzoglichen Häusern befindet sich die Insel seit 1974 im Besitz der von Graf Lennart Bernadotte gegründeten gemeinnützigen „Lennart-Bernadotte-Stiftung“.

Zum Abschluss des Tages und zugleich zum Abschluss unserer dreimonatigen Wanderung gibt’s nochmals Schwarzwälder Kirschtorte, aber nicht in einem der acht Restaurationsbetriebe der Mainau sondern in einer kleinen Konditorei am Ort.

Morgen, am Sonntag den 15. September steigen wir in den Zug und fahren zurück nach Hause.

Es kann gut sein, dass wir in den nächsten Tagen noch einige Nachbetrachtungen, Ergänzungen und Erkenntnisse einstellen.



10. – 11.09.

2019 von Hamburg nach Konstanz Posted on 14.09.2019 16:41

Am Gasthof zum Adler in Liggeringen irritierte die (sichtbar ältere) Wandmalerei ‚Fremdenzimmer‘. Im Netz haben wir ein ‚Gästezimmer‘ gebucht. An diese Stelle passt unsere Beobachtung, dass sich der Sprachgebrauch verändert hat. In unserer Kindheit und Jugend hatten Gasthöfe sowohl im Rheinland als auch in Hessen Fremdenzimmer. Bis 2019 hat sich ein wohltuender Wertewandel vollzogen. Auf der gesamten Wanderung kamen wir nur in einem Gasthof im ‚Fremdenzimmer‘ unter, auch die Übernachtung auf dem Bauernhof war im Gästezimmer. Und da fühlt man auf dem

Bauernhof war im Gästezimmer. Und da fühlt man sich doch gleich viel willkommener als im ‚Fremdenzimmer‘. Unabhängig von dem Wandbild war es im Adler prima, bodenständige Küche und ebensolche Wirtsleute.

Unser letzter Wandertag traf so unerwartet ein wie sonst nur Weihnachten. Und er war mindestens genauso schön. Der Himmel blieb klar und blau (!), der Weg hielt nur wenige Auf- und Abstiege bereit und die waren phantastisch. Zwar war die Marienschlucht wegen Erdrutsch gesperrt, aber die kleinere Nachbarschlucht überraschte mit ungezügelter Wildheit. Der krasse Gegensatz schlägt uns im Restaurant des nahegelegenen Golfclubs in Form eines blasierten Kellners entgegen, der es ganz offensichtlich unter seiner Würde fand, Wanderern Kaffee zu servieren.

Erstaunt registrieren wir Felder mit Sojabohnen. Wie gut, dass diese nicht nur in Brasilien sondern auch im milden Klima der Bodenseeregion gedeihen.

Über weite Strecken verläuft der Weg entlang der Hangkante zum Bodensee, zu sehen ist dieser leider nur selten, selbst die Sicht von der Ruhebank reicht nur bis ins Gebüsch. Darum adressieren wir virtuell eine Empfehlung oder besser gesagt, Bitte an den Schwarzwaldverein bzw. den Bodensee Tourismusverband, doch die ein oder andere Blickachse (bei aller Liebe für Bäume und Sträucher) frei zu schneiden.

Am Nachmittag erreichen wir die Jugendherberge in Allmannsdorf, einem Vorort von Konstanz, die sich in einem ehemaligen Wasserturm befindet. Von außen wirkt sie sehr stylisch, in Bezug auf Ausstattung und Service bleibt sie allerdings hinter anderen Häusern des Deutschen Jugendherbergswerks zurück. Vor uns liegen drei wunderbare Ausklingtage.