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Die Wanderung

Wandertagebuch

Wir wollen von unserer Wanderung berichten und freuen uns über Kommentare von euch

31.08. – 02.09.

2019 von Hamburg nach Konstanz Posted on 02.09.2019 17:03

Nach mehreren Tagen im Nordschwarzwald ändert sich die Landschaft ab dem Kinzigtal. Die Kinzig ist der einzige Fluss, der den Schwarzwald von Ost nach West durchschneidet. Wir müssen also von rund 900 m steil hinab auf ca. 250 m nach Hausach und am folgenden Tag wieder hinauf auf über 900 m.

Da bietet sich ein Abstecher nach Hornberg an, um der Redewendung ‚Das geht aus wie das Hornberger Schießen‘ auf den Grund zu gehen. Die Wendung wird gebraucht, wenn eine Angelegenheit mit großem Getöse angekündigt wird, aber dann nichts dabei herauskommt. Eine der zahlreichen Legenden wollen wir hier wieder geben.

☆ In Hornberg hatte sich anno 1564 der Herzog Christoph von Württemberg angesagt. Dieser sollte mit Salutschüssen empfangen werden. Als alles bereit war, näherte sich aus der Ferne eine große Staubwolke. Alle jubelten und die Kanonen donnerten, was das Zeug hielt. Doch die Staubwolke entpuppte sich nur als eine Postkutsche. Das gleiche wiederholte sich, als ein Krämerkarren und noch etwas später eine Rinderherde auf die Stadt zukam. Der Ausguck hatte jedes Mal falschen Alarm gegeben, und alles Pulver war verschossen, als der Herzog endlich eintraf.

Wir kommen an der Quelle der Breg vorbei. Dabei fällt uns der Sinnspruch ‚Brigach und Breg bringen die Donau zuweg‘ ein.

Weiter südlich, wir sind jetzt im Mittelschwarzwald, wird die Landschaft zum Postkarten -Schwarzwald: Offene, beweidete Hügellandschaften mit verstreut gelegenen Gehöften, viele noch in typischer Schwarzwaldbauweise im Wechsel mit bewaldeten Hängen und Kuppen.
Insgesamt ist es weniger steil, was die Muse zum gucken und hinterfragen weckt.

☆ Asche auf die Häupter. Unser lange zurückliegendes Uni-Halbwissen reicht nicht zur Unterscheidung von Fichten und Tannen, lässt sich aber gut mit Plantnet und Wikipedia auffrischen.

☆ Bei den Pilzen sind wir nicht so weit gegangen. Zum Verzehr ist keiner der fotografierten Exemplare geeignet. Ob bzw. welche anderen Zustände sie auslösen, wurde weder probiert noch ergründet.

Auch die Hotels pflegen den Postkarten-Schwarzwald.



Exkurs: Wandern, was ist das

2019 von Hamburg nach Konstanz Posted on 02.09.2019 15:16

EXKURS:

Wandern was ist das eigentlich?

Wir sind ziemlich blauäugig losgegangen. Kaethe, Künstlerin und bekennende Nicht-Wandersfrau, will über das Wandern schreiben und lässt uns von Zeit zu Zeit an ihren Recherchen teilhaben. Tausend Dank!

Im Folgenden skizzieren wir Definitionen und Sichtweisen zum Wandern, einige sind der Web-Site von ‚aufundab.eu‘ entnommen.

☆ Fangen wir mit dem Allgäuer Schriftsteller und Wandersmann Josef Hofmiller an:

  • Für ihn steht fest, ‚Wandern ist eine Tätigkeit der Beine – und ein Zustand der Seele‘.
  • An anderer Stelle sagt er ‚Im Wandern ist eine vornehme Zwecklosigkeit. Man darf nicht viel Gepäck mitschleppen, auch nicht im Geist. Am Ende wird es sogar gleichgültig, wo wir wandern. Gibt es eine reizlose Landschaft? Es gibt nur reizstumpfe Augen.‘
  • Nach Josef Hofmiller wird beim Wandern auf gesunde Weise die sportliche Leistungsfähigkeit der Beine beziehungsweise des ganzen Körpers trainiert, und gleichzeitig vermittelt das Unterwegssein und das Naturerleben ein einmaliges Gefühl von Entspannung und Erhabenheit.‘

☆ Doch wann stellt sich dieses Gefühl ein, denn, nicht jede Form der Fortbewegung zu Fuß ist auch gleich Wandern. ‚Wandern ist eine gehende Fortbewegung als Selbstzweck. Also Wandern um den Wanderns willen‘. Eine Ausnahme bildet die Walz der Zimmermannsgesellen, sie dient dem Zweck, Erfahrungen zu sammeln.

☆ Erfahrungen ganz anderer Art lassen sich auch bei Wanderungen mit
Eseln oder Lamas sammeln, die z.B. als Entschleunigungs-Programm der
ganz anderen Art incl. Natur-Pur beworben werden.

☆ Eine repräsentative Befragung durch den Deutschen Wanderverband, kommt zu folgender Definition: Wandern ist Gehen in der Landschaft. Es ist eine Freizeitaktivität mit unterschiedlich starker körperlicher Anforderung, die das mentale und physische Wohlbefinden fördert. Charakteristisch für eine Wanderung ist demnach auch: eine Dauer von mehr als einer Stunde. Dabei nutzt der Wanderer eine spezifische Infrastruktur und eine angepasste Ausrüstung.‘

☆ Die körperliche Herausforderung, der sich die Wandernden stellen, kann ganz erheblich sein! Mehrere Bücher haben in den USA einen besonderen Hype für das Fernwandern, das neumodisch als Thru-Hiking bezeichnet wird, ausgelöst. Man wandert oft über ein ganzes Jahr in Gruppen, aber doch jeder für sich mit ultraleichtem Gepäck auf vorgegebenen Trails. Wandern als kollektives Erleben für die Wandernden, aber auch für deren Fans.

☆ Und auch der Jakobsweg hat durch diverse Bücher einen riesigen
Zuwachs an Pilgern erlebt. ‚Pilgern ist überhaupt wohl die
ursprünglichste Form des Wanderns, die auch den Gedanken Josef
Hofmillers an die Seele in das Zentrum des Wandererlebnisses rückt.‘

☆ Aber auch für weniger religiös motivierte Menschen gibt es eine Erklärung, warum Wandern so unheimlich wohltuend wirkt: ‚Das Erleben des Flow, also eines absoluten Aufgehens in einer Tätigkeit, kann sich bei ausreichend langen Wanderungen einstellen. Psychologen, beschreiben Flow als Zustand eines beglückenden Tätigkeitsrausches bis hin zu ekstatischer Trance.‘

☆ ‚Wer geht, sieht mehr, lebt länger – und denkt besser. Einsichten, die schon antike Philosophen mit heutigen Hirnforschern teilen. Ob als Spaziergänger, Flaneure, Wanderer oder geistige Entdeckungsreisende viele große Dichter und Denker schätzen das tägliche Gehen in Wäldern oder Städten, um auf neue Gedanken zu kommen.‘ Die aktuelle Sondernummer des Philosophie Magazins setzt sich mit dem Wandern auseinander und begleitet Gedankenreisende.

Lässt man die zuvor skizzierten Aspekte Revue passieren so ergeben sich durchaus Schnittstellen zwischen dem Wohlbefinden die das Wandern auslöst mit denen, die dem Waldbaden zugeschrieben werden.

Und wie ist das bei uns? Vielleicht bringt es unser Austausch während der Verschnaufpausen bei den Aufstiegen auf den Punkt:

‚Guck mal da‘, ‚was war denn das‘

‚warum tun wir uns das nur an?‘,

‚es ist so anstrengend und soo schööön!’…



Nachtrag zum Eintrag vom 27.- 30.08.2019

2019 von Hamburg nach Konstanz Posted on 02.09.2019 14:21

Nachtrag zu den letzten Begegnungen

☆ Fangen wir mit einem großen Dankeschön an. Es gebührt Josef Erdrich und den ‚Flotten Sohlen‘. Zunächst einmal freuen wir uns sehr über das schöne Gruppenbild. Des Weiteren ist die Aufklärung über den LKW auf der Hornisgrinde erhellend: Er hat sich nicht verfahren und statt der vermuteten Steine Hackschnitzel für die Heizungsanlage des neuen Restaurants geladen. Angeregt hat uns auch das Vergnügen der Wandergruppe die sich jeden Mittwoch bei Wind und Wetter auf die Sohlen macht.

☆ Auf der Wilhelmshöhe heißt es Abschied nehmen von den‚ Weschtwegwander*innen‘. Nach einem gemeinsamen Abend ziehen sie zünftig weiter während wir es gemächlich angehen lassen.